Christsein heute und in der Zukunft braucht eine neue Sprache insofern, als ein Nichtinsider mit den herkömmlichen Begriffen nichts mehr anfangen kann. Die Kirchensprache hat zweifellos ihre Schönheit und ich möchte sie nicht lächerlich machen. Den meisten Menschen in unserem Umfeld ist sie jedoch fremd geworden. Ich hatte 17 Jahre als Lehrer mit jungen Leuten zu tun. Ich weiß, wovon ich spreche.
Ich nehme das Beispiel dieses Satzes:
Von der Gnade unseres Herr Jesus Christus…
Gnade = Gunsterweis eines Herrschers.
Der Kaiser hat begnadigt, heute kann das noch der Bundespräsident im Fall einer Hafterleichterung.
Der „gnädige Herr“ wurde von seiner Dienerschaft oder von einem devoten Verkäufer so genannt.
Schade, die mittelhochdeutsche Bedeutung von „genade“ – Rast, Ruhe, Behagen, Freude, Gunst, Huld, Erbarmen – ist ziemlich verloren gegangen.
Es gab in der Anfangszeit der Cursillos bei uns statt „De colores“ den Gruß „Freu dich“. Das schien mir ein interessanter Versuch, klang aber in den Ohren eines normalen Menschen eher wunderlich.
Wenn wir „in der Gnade leben“, meinen wir doch ein besonderes Naheverhältnis zu Gott. Könnte man es nicht so nennen?
Unser Herr: Als Herr hat er sich nie bezeichnet.
Der Herr ist der Inhaber von Sklaven. Das Wort „Herr“ hat oftmals einen despotischen Gewaltmenschen bezeichnet.
Hunde haben Herrln. Bei „Herr Maier“ will man höflich sein.
Was ist Herrlichkeit? Sind wir da alle Herren?
Wie sollen wir ihn nennen? „Chef“ sagen wir gerne. Wenn Cursillistas das sagen, hat das eine gewisse Wärme. Aber so können wir nur unter uns reden. Wir brauchen ein neues Wort!
Jesus ist sein Eigenname – klar und einfach.
Mit Christus (oder Messias) – dem Gesalbten – gibt es heute ein Problem. Salben werden heute nur mehr in der Medizin und in der Kosmetik verwendet.
Vielleicht müssen wir Gesalbte uns als Dichter versuchen, um das auszudrücken, was uns bewegt?
Johannes Pumhösl
Der Beitrag ist auch in "unterwegs", Nr.15/Juni 2010, dem Rundbrief für Cursillistas in der ED Wien erschienen.