"Ökumen Gott sei Dank zur Selbstverständlichkeit geworden" - Evangelische Superintendentin von Salzburg und Tirol tritt mit 1. September in den Ruhestand
Salzburg, 27.06.2012 (KAP) Bei einem Fest mit rund 200 Wegbegleitern aus Kirche, Diakonie, Ökumene und dem politischen Leben ist am Dienstag 26.6.12 Superintendentin Luise Müller in Salzburg verabschiedet worden. Sie tritt nach 17 Jahren an der Spitze der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol mit 1. September in den Ruhestand. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser betonte in diesem Rahmen eine "innere Herzensverbundenheit": Die gute ökumenische Zusammenarbeit sei "Gott sei Dank zur Selbstverständlichkeit" geworden, so Kothgasser in einer Aussendung des "Evangelischen Pressedienstes".
Fragen, wie etwa jene nach der eucharistischen Gastfreundschaft oder des Amtes seien "nicht vor Ort" zu lösen, dennoch "dürfen wir uns dem Ringen in Brennpunkten unseres Glaubens nicht entziehen", erklärte der Erzbischof. Er sei froh, dass dies im gegenseitigen Vertrauen passiere. Kothgasser dankte Müller auch für "neue Versuche", Gemeinsames zu finden und "für die Menschenfreundlichkeit", mit der sie "diesen Weg Jesu" gegangen sei.
Müller habe als Superintendentin eine "Vorreiterinnenrolle" eingenommen, erklärte die Rektorin des "Diakoniewerkes Gallneukirchen", Christa Schrauf. Müller sei "für viele das Gesicht und die Stimme einer Kirche, in der Frauen und Männer in gleicher Weise auf allen Ebenen mitgestalten und mitbestimmen". In dieser bischöflichen Funktion sei sie für viele Frauen "Wegweiserin" gewesen.
"Die Zeit war gekommen, dass Frauen diese Ämter übernehmen", meinte Superintendentialkurator Eckart Fussenegger. Müller habe dieses Amt "gut und überzeugend" geführt und dabei auch die Balance zwischen Beruf und Familie bewahrt. Sie sei zum Vorbild geworden, "dass es für eine Frau möglich ist, solche Ämter zu übernehmen".
Der altkatholische Pfarrer Martin Eisenbraun beschrieb die Superintendentin als "Frau, die in ihrem Leitungsamt einfach da war, um darauf zu schauen, dass alles funktioniert." Und für Pastorin Esther Handschin von der methodistischen Kirche ist Müller "ein Vorbild für eine Frau in kirchenleitender Verantwortung", hieß es in der Aussendung.
Dank für die gute Zusammenarbeit kam von Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, Bürgermeister Heinz Schaden und Ministerialrat Karl Schwarz vom Kultusamt im Unterrichtsministerium.
Müller selbst betonte, sie wollte "Berufung leben mit allen Konsequenzen und umsetzen, was ich vom Evangelium verstanden habe. Wenn wir wollen, dass das Evangelium leuchtet, dann solten wir alles in die Waagschale werden, im Tun und im Gebet."
Am kommenden Freitag 29.6.12 um 17 Uhr wird Superintendentin Müller in einem Festgottesdienst in der Christuskirche in Innsbruck durch Bischof Michael Bünker von ihren Leitungsaufgaben an der Spitze der evangelischen Diözese entpflichtet. Im Anschluss an den Gottesdienst verabschieden sich die evangelischen Pfarrgemeinden Tirols offiziell von ihrer Superintendentin.
Müllers Nachfolger ist ab 1. September der burgenländische Pfarrer Olivier Dantine.