Tugend – das taugt mir, das schätze ich an dir ______________ Laster – das belastet mich, ich halt dich nicht aus
Den Bazillus von Unkorrektheit, den der Korruptions-Untersuchungsausschuss zu Tage gebracht hat, müsse man energisch bekämpfen, damit daraus nicht eine ansteckende Krankheit wird, betonte Bundespräsident Fischer in einem Ö 1-Interview. „Wir brauchen eine Politik der sauberen Hände.“
Jesus sah Natanael auf sich zukommen und sagte über ihn: „Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit.“ Vgl Joh 1, 43 – 51
Wahrhaftig ist ein Mensch, in dem es keinen Widerspruch gibt zwischen dem Sein, dem Handeln, dem Denken und seinem Reden. Rückgrat nennt der Cursillo diese Haltung (siehe: Rudi Zehetner in „unterwegs 1“, Dezember 2006).
Warum ist es so schwer ein wahrhaftiger Mensch zu sein?
Vaclav Havel nennt in seinem Buch „Versuch in der Wahrheit zu leben“ zwei Ursachen, die schwer voneinander zu trennen sind. Die eine liegt in den gesellschaftlichen Verhältnissen, die zu Lüge, Treulosigkeit und Unzuverlässigkeit verführen; die andere im Menschen selbst, der für Lüge, Treulosigkeit und Unzuverlässigkeit anfällig ist. Der Mensch wird zu einem „Leben in Lüge“ gezwungen, kann aber nur deshalb dazu gezwungen werden, weil er imstande ist, so zu leben. Selbst Paulus schreibt im Brief an die Römer: „Ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse.“ (Röm 7, 15)
Zwei Seelen wohnen in meiner Brust. Ich muss zum Guten befreit werden, dass ich auch tun kann, was ich möchte, dass mein Sein, Wollen, Handeln, Denken und Reden übereinstimmen.
Wahrhaftigkeit ist das Fundament der Zuverlässigkeit
Wahrhaftigkeit ist nicht nur für die eigene Menschwerdung von Bedeutung. Sie ist zugleich ein Fundament für das menschliche Zusammenleben. Bei einem wahrhaftigen Menschen weiß ich, woran ich bin. Auf das Wort eines wahrhaftigen Menschen kann ich mich verlassen – da bin ich nicht verlassen.
Treffend hat diese Problematik Friedrich Nietzsche ausgedrückt: „Nicht, dass du mich belogst, sondern dass ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert.“ Wo die Unwahrheit gesagt wird, geht nicht nur die Glaubwürdigkeit verloren, sondern schwindet auch die Fähigkeit zu vertrauen.
Jesus will uns helfen, zuverlässig und treu zu sein. In der Bergpredigt fordert er eine Sprache, die eindeutig ist: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere ist vom Bösen.“ (Mt 5, 37)
Wo diese Haltung angestrebt wird, kann das Vertrauen unter den Menschen wachsen. Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit sind Haltungen, die wir leben müssen.
De colores, P. Engelbert
14.6.2012
P.Engelbert Jestl CSsR ist geistl.Leiter der Cursillos in der ED Wien.
Der Beitrag ist auch in "unterwegs", Nr.23/Juni 2012, dem Rundbrief für Cursillistas in der ED Wien erschienen.