Gemeinsamer Friedensappell der Religionsvertreter bei interreligiöser Dialogveranstaltung in Salzburg
Salzburg (KAP-21.05.2012) Im Zeichen der Verurteilung von religiös motivierter Gewalt als "Missbrauch von Religion" stand am Montagnachmittag 21.5.12 die offizielle interreligiöse Dialogveranstaltung im Rahmen des Dalai-Lama-Besuchs in Österreich. "Wenn man religiöse Werte tatsächlich lebt, ist es unmöglich, Religion für Gewalt zu missbrauchen", sagte das geistliche Oberhaupt des tibetischen Buddhismus bei dem Treffen in der Salzburgarena, an dem auch der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, die evangelische Superintendentin Luise Müller, der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft Fuat Sanac und der Wiener Rabbiner Schlomo Hofmeister teilnahmen. Sie alle entzündeten am Ende der Veranstaltung gemeinsam ein Friedenslicht in Form einer Kerze mit fünf Dochten.
Erzbischof Kothgasser betonte zuvor, dass die Religionen gemeinsam zu Frieden, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung beitragen wollten. Die Herausforderung einer multireligiösen Gesellschaft sei ein "bedeutsames Zeichen der Zeit", der Dialog mit Andersgläubigen dürfe für Katholiken jedoch nicht einfach ein "Modetrend" sein. Kothgasser: "Katholisch sein heißt, aufmerksam zu sein für das Wahre und Heilige, das Schöne und Gute, dass sich in unterschiedlichsten Religionen zeigen kann."
Kothgasser, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für den Dialog zu den Weltreligionen verantwortlich ist, verwies auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65), mit dem er den Dialog zwischen Gott und den Menschen sowie zwischen der Kirche und der Welt als Leitfaden christlichen Lebens erfahren habe. Die Kirche könne Verbundenheit und Liebe gegenüber der gesamten Menschheit "nicht beredter bekunden als dadurch, dass sie mit ihr in einen Dialog eintritt", sagte der Erzbischof: "Diesen Dialog des Heils wollen wir offen und ehrlich führen, auch wenn er manchmal mühsam und von Missverständnissen geprägt ist, und es manchmal leichter erscheinen mag, sich von anderen abzugrenzen."
Alle fünf Religionsvertreter legten bei der Begegnung ein klares Bekenntnis zum Wert des interreligiösen Dialogs ab. Ein ernsthaft geführter Dialog könne helfen zu verhindern, dass Religion zur Quelle von Gewalt werden, sagte der Dalai Lama. Viele Beispiele in der Welt zeigten, dass es möglich sei, anderen Religionen gegenüber Respekt entgegenzubringen und gleichzeitig den eigenen Glauben zu bewahren, so der Dalai Lama: "Multireligiöse Gemeinschaften, die in Frieden zusammenleben, sind möglich, und wir sollten uns darum bemühen." Trotz aller Unterschiedlichkeit von Religionen verfolgten alle das gleiche Ziel, nämlich positive Eigenschaften der Menschen wie Nächstenliebe, Toleranz und Mitgefühl zu stärken.
"Harmonie durch Vielfalt"
IGGiÖ-Präsident Sanac betonte, dass Gewalt und Terror im Namen von Religion "Verbrechen und Sünde" seien. "Religionen sind dazu da, Menschen glücklich zu machen. Wenn Menschen daraus Kriege machen, ist das ein Missbrauch der Religion", sagte der oberste Vertreter der österreichischen Muslime. Für Sanac bedeutet interreligiöser Dialog intensives Kennenlernen und Stärkung des gegenseitigen Respekts. Angesichts von Radikalismus und Intoleranz werde in Zukunft "viel davon abhängen, wie die Religionen miteinander umgehen, und welche Antworten sie gemeinsam finden".
Rabbiner Hofmeister unterstrich den Respekt vor dem Anderen als "integralen Bestandteil von Religion". Religionsvertreter in aller Welt stünden in der Verantwortung als "Hüter des Feuers" der Religionen, das "wärmen, aber auch verbrennen" könne, so Hofmeister. Der Pluralismus in der globalen Gesellschaft sei Grundlage für die Zukunft; die Religionen treffe dabei eine große Verantwortung. Beim interreligiösen Dialog gehe es "nicht um Harmonie trotz Vielfalt, sondern um Harmonie durch Vielfalt", warnte der Rabbiner in Anspielung auf das Motto der Begegnung vor einer "Gleichmacherei" von Religionen.
Superintendentin Müller warnte vor "konfliktträchtigen Parallelwelten", die ohne interreligiösen Dialog entstünden. Der Dialog diene dabei dem Erkennen von Gemeinsamkeiten genauso wie der Feststellung von Unterschieden. Das Wissen um den eigenen Glauben sei wichtige Voraussetzung für Dialog und "wahrhaftige Begegnung". Auf Österreich-Ebene regte Müller eine gemeinsame Stellungnahme aller Religionen zum Thema "Frieden" nach dem Vorbild des "Ökumenischen Sozialwortes der christlichen Kirchen" an.
Vor der interreligiösen Begegnung hatte der Dalai Lama bereits am Vormittag in der Salzburgarena zum Thema "Weltfrieden und universelle Verantwortung" gesprochen. Auch die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller hatte in ihren Begrüßungsworten unter anderem auf einen notwendigen gegenseitigen Respekt unter den Weltreligionen verwiesen. Religionen sollten sich achten, auf ihren jeweiligen Wegen Werten zum Durchbruch verhelfen und ihren Fokus auf den religiösen Auftrag, nicht auf weltliche Macht legen, sagte die Politikerin.