Kardinal in Interview für Magazin "Vatican Insider": Eventuelle disziplinäre Maßnahmen liegen in Verantwortung der Ortsbischöfe
Rom-Wien (KAP-17.05.2012) Kardinal Christoph Schönborn hofft nach wie vor, dass der Konflikt mit der Pfarrerinitiative im Guten gelöste werden kann und es zu keinen kirchlichen Sanktionen kommen wird. Das betonte er in einem aktuellen Interview mit dem italienischen Magazin "Vatican Insider". Sollten allerdings disziplinäre Maßnahmen notwendig sein, so liege dies in der Verantwortung der zuständigen Ortsbischöfe und nicht in jener Roms.
Der Kardinal kündigte an, dass die österreichischen Bischöfe ein Pastoralschreiben vorbereiten, dass im Rahmen des kommenden Jahres des Glaubens veröffentlicht wird und in dem zu den von der Pfarrerinitiative aufgeworfenen Fragen Stellung bezogen wird.
Schönborn unterstrich auch einmal mehr, dass er die Sorge der Mitglieder der Pfarrerinitiative um die Kirche teile. Deren Lösungsvorschläge allerdings nicht. Er habe den Eindruck, dass die Pfarrerinitiative einem 50 Jahre zurückliegenden Kirchenbild anhänge, als die Kirche noch weit stärker und lebendiger war.
Es gelte nun aber, die Tatsache zu akzeptieren, "dass wir eine Minderheit sind und jeder einzelne persönlich Zeugnis für den Glauben ablegen muss".
Schönborn sprach von positiven Momenten in der katholischen Kirche in Österreich, die in eine andere Richtung als die Forderungen der Pfarrerinitiative gehen würden, von denen aber niemand spreche. Er verwies in diesem Zusammenhang u.a. auf die zunehmende Zahl von jungen Familien, die ihren Glauben bewusst im Alltag leben.
Auf den Stützenhofener Pfarrgemeinderat Florian Stangl angesprochen hielt Schönborn fest, dass Priester konfrontiert mit "irregulären" Lebenssituationen - etwa im Fall von wiederverheirateten Geschiedenen oder bei gleichgeschlechtlichen Paaren - deutlich den Standpunkt der Kirche zu vertreten hätten. Zugleich bedürfe jeder Mensch Vergebung und Erbarmen. Es gehe nicht um Verurteilung, sondern um Hilfe zu notwendigen Veränderungen im Leben.
Als Seelsorger und Hirte habe er unter diesen Vorgaben im konkreten Fall des offen in einer homosexuellen Partnerschaft lebenden Pfarrgemeinderates entschieden, in die Wahl nicht einzugreifen und das Wahlergebnis zu akzeptieren. Dies sei daher kein Präzedenzfall für eine geänderte Position der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren, sagte Kardinal Schönborn.