"Alle Menschen in Kirche willkommen" - "Schmerzvolle Erfahrungen durch Missbrauch und Abtreibungen"
Salzburg, 10.05.2012 (KAP) Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser hat am Mittwochabend 9.5.12 beim traditionellen Medienempfang im Salzburger Kardinal-Schwarzenberg-Haus ein kurzes Resümee seiner Amtszeit gezogen. Er sei dankbar für die Jahre in Salzburg, in denen er als Hirte viel von seiner Herde geschenkt bekommen habe, so Kothgasser. Er wies u.a. auf die Begegnungswoche "Offener Himmel" und andere Aktionen in der Erzdiözese Salzburg hin, bei denen alle Menschen willkommen seien. "Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Seelsorge tragen dazu bei, dass allen Menschen etwas vom anbrechenden Reich Gottes und seiner unendlichen Liebe verkündet werde. Den Medienschaffenden dankte Kothgasser für Fairness und Korrektheit.
Zugleich sprach der Erzbischof aber auch bittere Momente und "schmerzvolle Erfahrungen" an, denn die schweren Wunden, die kirchliche Mitarbeiter durch Missbrauch und Gewalt Kindern zugefügt haben, heilen nur sehr, sehr langsam oder gar nicht". Es schmerze ihn, dass es nicht gelingt, Schwangeren in Not so beizustehen, "dass Abtreibung keine Option mehr ist".
Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, Jozef Niewiadomski, betonte in seinem Festvortrag, dass es kein chemisch reines Christentum geben könne. "Kirche ist nicht das, was sie heute zu sein scheint, denn auch der mit Meerwasser gefüllte Eimer ist noch nicht das Meer". Um das Meer kennen zu lernen, müsse man mit ihm leben, auf dem Meer segeln, den Schiffbruch riskieren, zog der Theologe einen Vergleich. "Die kleine Herde war nie das Ziel Jesu Christi", ergänzte Erzbischof Kothgasser dazu.
Die Frage sei, warum Menschen zu Häretikern würden, die die Wirklichkeit unter einer eingeschränkten Perspektive wahrnehmen und einen Ausschnitt mit dem Ganzen verwechseln? Chemisch reines Christentum könne kein Christentum sein, "weil Leitplanken keine Fahrstraße ersetzen". Dogmen, Normen und Hierarchien seien im Kontext der dicht befahrenen Straßen und starker Wellen freilich gerechtfertigt.
Prof. Niewiadomski verwies auf die Enzyklika "Pacem in terris", die Papst Johannes XXIII. 1963 veröffentlicht hatte. "Dieses Lehrschreiben hat den Paradigmenwechsel in der Katholischen Kirche eingeleitet", sagte er. Dadurch sei die Katholische Soziallehre (siehe auch HIER) ins Zentrum des Glaubenslebens gerückt worden, und die Friedensförderung sowie Menschenrechte und Menschenpflichten in die Kirche integriert worden. "So ist die Katholische Kirche zur größten organisierten Religionsgemeinschaft mit einer klaren Soziallehre und einem gegenwartsbezogenem Menschenbild geworden". Abermillionen Christen praktizierten weltweit ihr Christentum im Alltag.
Keine Kandidatenliste mit 1.000 Namen
Der Pressesprecher der Erzdiözese Salzburg, Wolfgang Kumpfmüller, wies am Donnerstag im Gespräch mit "Kathpress" Pressemeldungen zurück, wonach es für die Nachfolge Erzbischof Kothgasser eine aus rund 1.000 Namen bestehende Kandidatenliste gebe. Tatsache sei, dass der Erzbischof persönlich rund 250 Personen befragt und um ihre Vorschläge gebeten habe. Dann habe er einige Namen gereiht und auf eine Liste gesetzt, die er sowohl mit Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen besprechen als auch den zuständigen vatikanischen Behörden vorlegen wolle.