Groß und weit ist der Geist,
der Augen für das Ganze hat.
Groß und weit ist der Geist,
der Augen hat für alles... auch für jedes Detail.
Blick nur für das Ganze haben ist auch Verarmung.
Blick nur für das Detail haben wird meistens zur Blindheit.
Man muss Heidegger richtig verstehen, wenn er sagt:
"Im Detail sitzt der Teufel, erst das Ganze ist das Wahre."
Das Detail gehört zum Ganzen,
und das Ganze gibt es nicht ohne das Detail.
Der Geist ist groß und weit,
wenn er sich von der Frage führen lässt.
Alles hinterfragen, nicht um zu verunsichern,
sondern um eine Antwort zu suchen, das ist Weite des Geistes.
Keine Angst vor einer Frage,
keine Angst vor unerwarteten Antworten.
"Sapere aude" (Horaz I, 2,40)
"Erkühne dich, weise zu sein" (Schiller)
"Wer anfängt zu denken,
weiß nicht, wo er landet" (Golo Mann)
Neuland zu entdecken,
das gehört zur Größe und Weite des Geistes.
Die Weite des Geistes
wird durch die Leidenschaft für die Wahrheit erweitert.
"Die Wahrheit macht frei" (Jesus von Nazareth)
Der große Geist akzeptiert keine Grenze.
Wage das Denken,
auch gegen das Denken der vielen anderen.
Zur Größe und Weite des Geistes gehört
überzeugen zu können und sich überzeugen zu lassen.
Das lateinische Wort überzeugen
- convincere -
drückt die Größe des Geistes aus:
überzeugen und überzeugt werden ist immer ein Sieg für alle (vincere).
Rechthaberei ist Erniedrigung des Geistes.
Der Geist kann sich selbst einsperren,
das ist die Armut und das Elend des Geistes.
Der Geist kann jede Sperre überwinden.
Der Geist in seiner Größe und Weite
kann sich von jeder Bindung lösen.
Der große und weite Geist
kann über sich selbst fliegen.
Mit einer herzlichen Umarmung Euer P. Josef
14.10.2011
Der Beitrag ist auch in "unterwegs", Nr.20/September 2011, dem Rundbrief für Cursillistas in der ED Wien erschienen.