Salzburg: "Null Toleranz bei sexuellem Missbrauch - auch für Erzabt"

Prior Korbinian Birnbacher bei Pressekonferenz in Salzburg zum Missbrauchsvorwurf an bisherigen Erzabt Bruno Becker: "Es ist ein dunkler und bitterer Tag für die Kirche und für unser Kloster".

 

Salzburg (KAP-09.03.2010) In Fragen sexuellen Missbrauchs gibt es in der Kirche "null Toleranz - auch nicht gegenüber einem Erzabt". Dies unterstrich bei einer Pressekonferenz am Dienstag 9.3. in Salzburg der Prior von St. Peter, P. Korbinian Birnbacher, der nach dem gestrigen Rücktritt des mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Erzabtes Bruno Becker die Amtsgeschäfte übernommen hat. "Es ist ein dunkler und bitterer Tag für die Kirche und für unser Kloster", so der Prior, an dem man nur "tiefstes Bedauern" äußern und "um Verzeihung bitten" könne. Die Abtei wolle sich den Vorwürfen mit aller Konsequenz stellen und "ehrlich mit der Problematik umgehen, denn nicht Täter sollen geschützt werden, sondern Opfer".

Zugleich ermunterte der Prior dazu, dass sich auch weitere Opfer von etwaigen, bislang unbekannten Missbrauchsfällen möglichst rasch bei der zuständigen Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg oder bei ihm persönlich melden mögen, "nur so können wir uns der vollen Wahrheit stellen und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen".

Am Montag 8.3. hatte Erzabt Bruno Becker in einer Stellungnahme erklärt, dass es durch ihn vor mehr als 40 Jahren zu einer einmaligen sexuellen Handlung an einem damals Minderjährigen gekommen sei. Zum Zeitpunkt der Tat sei er 24 Jahre alt und noch nicht Priester gewesen. Er bedauere auch heute noch diesen Vorfall aufs Tiefste und bitte um Verzeihung, hieß es in der Mitteilung des Stiftes.

Prior Birnbacher teilte bei der Pressekonferenz auch mit, dass Erzabt Becker als Kind selbst Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist - dies allerdings nicht im kirchlichen Umfeld.

Zur weiteren Vorgehensweise erläuterte Prior Birnbacher, dass Becker von allen Ämtern abgezogen worden sei und auch in der Seelsorge nicht mehr tätig sein werde. Einzig ordensintern werde er weiterhin als Priester tätig sein. Der Orden werde nun mit einem Team aus Fachleuten - Juristen und Psychologen - den Fall ordensintern aufarbeiten und im Anschluss den Fall an die Glaubenskongregation melden.

Der ehemalige Erzabt befinde sich laut Birnbacher derzeit in "psychologischer und geistlicher Begleitung" - es gehe ihm "den Umständen entsprechend schlecht" und er werde sich in den kommenden Wochen "zurückziehen, um wieder zur Ruhe zu kommen", teilte der Prior mit.

Weiters bestätigte der Prior die Vorwürfe gegen zwei weitere ehemalige Mönche von St. Peter, sich ebenfalls in den Jahren nach dem einmaligen Missbrauch durch Erzabt Bruno an dem Opfer vergangen zu haben. Beide seien bis 1974 bzw. 1975 Mitglieder des Konvents gewesen, seien dann jedoch ausgetreten. Nur einer der beiden sei Priester gewesen, der schließlich noch als Seelsorger in der Diözese Passau tätig gewesen sei. Am 5. Februar sei er verstorben.

Erzabt Bruno habe laut Birnbacher von den Vorfällen um den Missbrauch durch die beiden ehemaligen Mönche erst bei dem Gespräch am 22. November in Wien mit dem Opfer und dem Leiter der Wiener Ombudsstelle erfahren, als er selbst das Opfer für das vor über 40 Jahren Geschehene um Verzeihung gebeten habe.

Zum Vorwurf, der bisherige Erzabt habe dem Opfer 5.000 Euro "Schweigegeld" gezahlt, stellt Prior Birnbacher klar, dass es sich nicht um Schweigegeld gehandelt habe, sondern um den Versuch einer persönlichen Wiedergutmachung durch Becker, verbunden mit der Bitte um Vergebung. Auf Nachfrage eines Journalisten räumte Prior Birnbacher ein, dass der selbe Betrag auch bei einem weiteren Missbrauchsvorwurf gegen einen Geistlichen einer Pfarre der Abtei St. Peter im Jahr 2004 an das damalige Opfer gezahlt worden sei. Es gebe jedoch keinerlei Zusammenhänge zum aktuellen Fall, die Übereinstimmung der gezahlten Summe sei Zufall.

Reißmeier: Bessere Vernetzung der Ombudsstellen

Der Leiter der Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs der Erzdiözese Salzburg, Johann Reißmeier, betonte bei der Pressekonferenz die Notwendigkeit einer besseren Vernetzung der diözesanen Ombudsstellen für sexuellen Missbrauch in Österreich. Hier habe die österreichische Bischofskonferenz bei ihrer jüngsten Frühjahrsvollversammlung die richtigen Signale und Schritte gesetzt, so Reißmeier, um einen besseren Austausch, eine einheitliche Vorgehensweise und bessere Präventionsmaßnahmen zu setzen.

Zugleich bat Reißmeier die anwesenden Medien und Journalisten um tatkräftige Unterstützung: "Wir können uns der Problematik nur in Kooperation mit den Medien stellen - wir brauchen Ihre Hilfe zur vollständigen Aufklärung", sagte der Ombudsstellenleiter.

Er selbst stehe "ganz klar auf der Seite der Opfer" und sehe seine eigene Aufgabe darin, "einen Dienst an der Versöhnung zu leisten". Reißmeier: "Es ist schlimmes Unrecht geschehen - und mit diesem wollen wir umgehen in einer verantwortungsbewussten Art und Weise."

Auf Nachfrage eines Journalisten bestätigte Prälat Reißmeier, dass er seit dem Jahr 2002 mit insgesamt dreizehn Anschuldigungen im Bereich sexuellen Missbrauchs konfrontiert worden sei - alle samt seien jedoch nicht mehr strafrechtlich relevant gewesen. Entweder seien sie verjährt gewesen oder aber der Täter sei verstorben. Bischofsvikar Reißmeier leitet die Ombudsstelle seit 2006, zuvor war er seit 1999 als Generalvikar der Erzdiözese Salzburg tätig.


Webtipp:
Themenschwerpunkt "Missbrauch" auf www.katholisch.at


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