Initiator Berger, Theologe Zulehner und lutherischer Altbischof Sturm zogen bei Pressegespräch in Wien eine erste Zwischenbilanz
Wien, 05.02.2010 (KAP) Unter der Marke "Weg der Hoffnung/Way Of Hope" sind seit vergangenen Oktober rund 300 Vordenker aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur gemeinsam unterwegs, um in der Gesellschaft konkrete Veränderungen zu initiieren. Seit der Auftaktveranstaltung im vergangenen Oktober in der oststeirischen Bezirksstadt Weiz seien bereits eine Reihe von neuen Initiativen im Laufen, berichtete der Theologen Fery Berger am Donnerstagnachmittag vor Journalisten in Wien: Neben Gebetsgemeinschaften und interreligiösen Initiativen würden beispielsweise Unternehmer in der Steiermark an einer wirtschaftsethischen Plattform arbeiten.
Die 300 Persönlichkeiten engagieren sich in inzwischen 22 "DialogAktionsforen", deren inhaltliche Bandbreite von der "Klimaerwärmung" über "Kunst und Gesellschaft" bis zu "Naturwissenschaft und Spiritualität" und "Priesterlose Gemeinden" reicht. Das Projekt "Weg der Hoffnung" ist auf drei Jahre angelegt.
Mit unterwegs ist auch der Wiener Pastoraltheologe em. Prof. Paul Zulehner, der auf die zentraler Bedeutung der Gottesfrage für jede spirituelle gesellschaftliche Erneuerung hinwies. Die Kirchen müssten einen Gott verkündigen, "dem an der Welt und den Menschen liegt". Es brauche Signale der Hoffnung und des Aufbruchs, so Zulehner. Die Gesellschaft befinde sich in einem tiefen Umbruch und das habe elementare Auswirkungen auch auf die Kirchen. Er orte gegenwärtig in der katholischen Kirche eher "die Verwaltung des Untergangs statt der Gestaltung eines Übergangs", formulierte der Theologe.
Die zentrale Bedeutung der Gottesbeziehung unterstrich auch Heinrich Benedikt, Gründer der Jerusalem Peace Academy. Ohne der Rückkehr zu den Wurzeln der menschlichen Existenz und damit zu Gott seien keine neuen gesellschaftlichen Initiativen möglich.
Der Autor Stefan Mitterbuchner plädierte für mehr Fairness in der Gesellschaft. Es brauche ein neues Bewusstsein für eine familiär geprägte Gesellschaft, in der Solidarität, Mitgefühl und Liebe vorherrschten.
Der lutherische Altbischof und ehemalige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Herwig Sturm, zeigte sich davon überzeugt, dass die Einsicht über die Dringlichkeit eines Miteinanders der Kirchen beständig zunehme, ebenso wie auch der Schmerz über die noch bestehende Trennung der Kirchen.
Unter den Teilnehmern des "Wegs der Hoffnung" bestehe u.a. darüber Übereinstimmung, dass die Kirchen der reformierten Tradition dem Evangelium gemäße Formen der Kirche seien, so Altbischof Sturm. Es sei schmerzlich, dass dies derzeit offiziell von der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche noch nicht so gesehen werde.
Weitere Teilnehmer am "Weg der Hoffnung" sind u.a. der Grazer Altbischof Johann Weber, Caritas-Präsident Franz Küberl, die ehemaligen Politiker Erhard Busek, Josef Riegler und Erwin Buchinger, die Friedensaktivistin Hildegard Goss-Mayr, "Attac"-Sprecher Christian Felber sowie Theologen wie Prof. Walter Kirchschläger und Prof. Ingeborg Gabriel oder die Klimaforscherin Prof. Helga Kromp-Kolb.
Das zweite große Treffen des "Wegs der Hoffnung" findet vom 15. bis 17. Oktober im Kunsthaus Weiz statt.
Informationen im Internet unter www.wayofhope.info