Die Freundschaft und die Gruppe

Die Zusammengehörigkeit, sich von der Freundschaft in Christus angezogen zu fühlen, ist die Stärke der christlichen Freundschaftsgruppe.


Gleich nach dem Erscheinen des Buches für Cursillistas „Die christliche Freundschaftsgruppe - Ein Lexikon für Theorie und Praxis“ kam eine Kritik von einem Fachmann für Psychologie und Gruppendynamik: er sah in der Gruppe eine gute Gelegenheit, sich wund zu reiben, um sich zu stählen. Alles, was Geborgenheit, Verständnis, Zusammenhalten in Freundschaft heißt, war ihm zu flau: Er sagte sogar den Satz: „Also zurück in den Mutterschoß!“

Zugegeben: Die Konfrontation in kleinen Gruppen mit all dem, was dieses Wort der Gruppendynamik bedeutet, hat ohne Zweifel eine große positive erzieherische Bedeutung und Kraft. Zugegeben: Auch in der Freundschaftsgruppe wird viel davon vorkommen... und zu begrüßen sein. Trotzdem machen Streit, harte Konfrontation nicht so sehr das Wesen der Freundschaft aus als Verbundenheit, alles verständnisvoll und aufbauend zu besprechen. Vom ersten kann die Freundschaft einen Weg zur Reife machen, das andere macht ihr Wesen aus.

Die Zusammengehörigkeit, sich von der Freundschaft in Christus angezogen zu fühlen, ist die Stärke der christlichen Freundschaftsgruppe. Die Freundschaft verlangt von selbst das öftere Zusammentreffen, und das öftere Zusammentreffen stärkt die Freundschaft. Deshalb ist eine Freundschaftsgruppe (und wir haben vor Augen die echte Freundschaft und nicht Gruppen, die mehr oder weniger länger zusammenhalten, und die deshalb in der Literatur über die Gruppendynamik sehr leicht Freundschaftsgruppen genannt werden) immer in Gefahr, wenn sie sich längere Zeit nicht zusammenfindet. Wenn man einmal mit dem regelmäßigen Treffen aufgehört hat, ist später immer ein neuer Anfang viel zu schwierig. Wie viele Gruppen sind auseinander gegangen, weil die Freunde während der Urlaubszeit monatelang nicht zusammenkommen konnten. In der Literatur des Cursillo findet man deshalb in einer eindeutigen Konstante den Rat, wenn die Freunde schon nicht zusammenkommen können, sollen sie die Verbindung in irgendeiner Weise weiterpflegen, sei es durch Post, telefonisch... oder zumindest, indem sie im Geiste Gelegenheit finden, vielleicht zur selben Zeit, am besten vor dem Tabernakel, die Punkte durchzusehen, die für das Gruppentreffen empfohlen werden.

Schließlich ist das Wesentliche in der Gruppe weder der Bericht noch der konkrete Einsatz und nicht einmal das Treffen, sondern die Freundschaft in Christus und der lebendige Geist der christlichen Liebe. Das übrige fließt daraus. Der Satz der Heiligen Schrift „Ein dreifaches Seil reißt nicht schnell“ (Prediger 4, 12) ist in diesem Sinn des Zusammengehörens und Zusammenhaltens zu interpretieren.

In unserer Sprache des Cursillo sprechen wir oft von Rückgrat, Lokomotiven… und in der alten Literatur finden wir auch das Wort „Bandenführernaturen“. In der letzten Zeit reden wir gern von den tragenden Säulen in der Kirche und in der Gemeinschaft. Vielleicht müssen wir uns aber noch mehr bewusst werden, dass ein Einzelner in der Gemeinschaft und in der Gesellschaft selten, möglicherweise nie, eine richtige Säule sein kann. Dafür ist jedenfalls nach den Gesetzen der psychologischen, soziologischen und sogar christlichen Statik viel zäher, resistenzfähiger, belastbarer und ausdauernder, wenn diese christlichen Säulen ein Geflecht der Gemeinschaft - die Gruppe - sind, oder noch besser ausgedrückt, wenn diese Säulen geschmolzen werden aus verschiedenen Freunden in den Guss einer kleinen christlichen Gemeinschaft, in den Guss der Gruppe.

Josef Garía-Cascales
3.6.2009

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Heilsoffenbarung

 

Wer das helfende Wort in sich aufruft, erfährt das Wort.

Wer Halt gewährt, verstärkt sich in Halt.

Wer Trost spendet, vertieft sich in Trost.

Wer Heil wirkt, dem offenbart sich das Heil.

 

Martin Buber