Pater Josef zum 80. Geburtstag

von Walter Rechberger: "Es geht mir in dieser Laudatio aber weniger um die „Verösterreicherung“ unseres Jubilars als vielmehr um die „Josefinisierung“, die so vielen zuteil geworden ist, die ihm in diesen 50 Jahren und natürlich nicht nur in Österreich begegnet sind, vor allem beim Cursillo."


Bei Pater Josef García-Cascales fallen – erfreulicher Weise – immer drei große Jubiläen zusammen: Heuer ist es der 80. Geburtstag, die 55. Wiederkehr seiner Priesterweihe und ein (weiteres) „goldenes“ Jubiläum: Pater Josef ist seit 50 Jahren in Österreich – aber natürlich trotzdem ein echter Spanier geblieben. Obwohl es vorkommen kann (man kann das in dem neuen Buch „Im Gespräch mit Josef García-Cascales“, herausgegeben von Elisabeth Seidl und Ilsemarie Walter nachlesen, aus dem ich in der Folge Manches zitieren werde), dass ihm in einem auf Spanisch geführten Gespräch ein Wort nicht einfällt und er es auf Deutsch sagen muss!



Es geht mir in dieser Laudatio aber weniger um die „Verösterreicherung“ unseres Jubilars als vielmehr um die „Josefinisierung“, die so vielen zuteil geworden ist, die ihm in diesen 50 Jahren und natürlich nicht nur in Österreich begegnet sind, vor allem beim Cursillo.

In der Oration des Abendgebets vom 7. August dJ im „Magificat“ hieß es: „Gott, du hast uns geschaffen doch wir kennen dich kaum. Du liebst uns und doch bist du uns fremd. Zeig uns dein Gesicht. Sag uns, wer du bist und was du für uns bedeutest. Lehre uns dich erkennen, dich verstehen, dich lieben.“ Ich denke, dass hier sehr gut zum Ausdruck kommt, womit ein Christ – zumindest ein wacher Christ – Zeit seines Lebens zu kämpfen hat: mit der Unbegreiflichkeit Gottes, wie es Karl Rahner genannt hat.

Genau darin liegt für mich aber das Charisma unseres lieben Pater Josef: er hat die Gabe, Gott begreiflich zu machen. Fast 40 Jahre nach meinem Cursillo kann ich das Zeugnis ablegen, dass mir die eindrucksvolle Darstellung des wartenden Vaters durch P. Josef tatsächlich das Gesicht Gottes gezeigt hat. Und dieses Gesicht hat seither letztlich all die verqueren Gottesbilder, die wir uns alle immer wieder aufdrängen lassen, bei weitem überstrahlt. Es ist tatsächlich – ich zitiere hier natürlich den Jubilar – „eine Genialität Christi“, uns den unendlichen Gott als den unendlich Menschlichen zu zeigen.

Zu meiner Sommerlektüre gehörte heuer das – sehr zu empfehlende Buch von Heinz Oberhummer „Kann das alles Zufall sein? Geheimnisvolles Universum“. Dieser Astrophysiker schafft es tatsächlich, die komplexen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Ursprung und Zukunft des Universums auch dem Laien verständlich zu machen. An Hand dieser Schilderungen versuchte ich, mir die Position unserer Erde im Weltall vorzustellen: Sie ist einer der kleineren Trabanten unserer Sonne, die wieder einen kleineren Stern in einem unbedeutenden Spiralarm im Außenbereich unserer Heimatgalaxie, der sog. Milchstraße, darstellt, jener Milchstraße, die zwischen 100 und 200 Milliarden Sterne (genauer lässt sich das nicht sagen) umfasst. Dabei ist mir aufgegangen, wie richtig der Hinweis von P. Josef ist, dass Gott den Menschen nicht braucht. Die Ehre Gottes ist zwar – wie die Kirchenväter sagen – das Glück des Menschen, Gott ist aber gewiss nicht darauf angewiesen, von diesen Winzlingen im Universum mit Weihrauch bedacht zu werden. Wie oft haben wir von P. Josef die Antwort auf die Frage, was Gott für uns bedeutet, gehört: Gott ist für den Menschen da und nicht der Mensch für Gott. Das ist zwar immer noch unbegreiflich, wird aber der Unendlichkeit Gottes gerecht und ist vor allem ungemein tröstlich.

Die „Josefinisierung“, von der ich sprach, hat für viele von uns tatsächlich bedeutet, Gott besser erkennen und verstehen, vor allem aber lieben zu lernen. In meinen Augen hat dazu viel beigetragen, dass unser lieber P. Josef so überzeugend vermitteln konnte, dass Gott Freude ist. Da sind wir wieder beim wartenden Vater, der als erstes die Vorbereitungen für ein Fest anordnet. Warum sich heute wieder so viele mit dem älteren Bruder identifizieren, dem das ein Dorn im Auge war, ist mir unbegreiflich. Es hat schon seine Berechtigung, wenn in so mancher Predigt gegen die „Spaßgesellschaft“ zu Felde gezogen wird, die vielfach verordnete – vor allem kultische – Ernsthaftigkeit wird die Menschen freilich kaum näher zu Gott führen. P. Josef weist zu Recht darauf hin, dass es nicht unbedingt leicht ist, die Haltung der echten Freude durchzuhalten, zumal sie aus der inneren Zufriedenheit des Menschen kommt, der mit sich selbst, mit der Welt und mit Gott im Reinen ist.

Was mir auch noch ganz wesentlich erscheint, ist das Kirchenbild, das uns P. Josef vermittelt hat. An seinem 80. Geburtstag dürfen wir feststellen, dass er ein Leben lang Kirche im besten Sinn verkörperte, indem er mit Freude und Begeisterung für diese Kirche gewirkt hat. Wenn ich wieder von mir selbst sprechen darf: Das Kirchenbild, dessen reale Existenz er durch sich selbst bewiesen hat, konnte mir niemand mehr vermiesen. Und es gibt das Zeugnis vieler, die durch ihn die Freude an der Kirche gewonnen oder wiedererlangt haben.
Wie P. Josef die Kirche in unserem Land nach 50 Jahren in Österreich sieht, kommt in manchem kritischen Kommentar zum Ausdruck. Mir erscheint bemerkenswert, dass auch in dermaßen säkularisierten Gesellschaften, wie wir sie heute vorfinden, ein gewisses Gefühl dafür erhalten geblieben ist, wann es bei kirchlichen Äußerungen um den Kerngehalt der christlichen Botschaft geht. Die Repräsentanten der Caritas werden nicht nur als Vertreter der Kirche wahrgenommen, sondern ihre Meinung wird in der Öffentlichkeit auch durchaus Ernst genommen. Was aufs Neue P. Josef bestätigt, wenn er Jesu Aufforderung „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ in erster Linie als sozialen Auftrag sieht. Auch die Bischöfe werden dann gehört, wenn sich ihre Wortmeldungen als wahrhaft biblisch erweisen, indem sie sich gegen die „Mächtigen“ richten und für die „Niedrigen“ Partei ergreifen. Dass die Kirche und damit jeder von uns mit unbestreitbar zentralen Positionen der christlichen Werte-Ordnung auf verlorenem Posten zu stehen scheint, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Mir scheinen in einer Zeit der sich leerenden Kirchen jedenfalls die kleinen christlichen Gemeinschaften und Gruppen, wie sie der Cursillo und P. Josef als „Pionier des Cursillo“ („Der Sonntag“) stets propagiert haben, bedeutender denn je. In ihnen kann auch in der heutigen Gesellschaft Kirche erlebt werden. Ja mehr noch: die persönliche Begegnung mit Christus, die ein ganzes Leben tragen kann, ist kaum ohne das „Ambiente“ der kleinen christlichen Gruppe möglich. Vielleicht liegt in der dramatischen Abnahme des Kirchenbesuchs auch ein positives Zeichen der Zeit, nämlich die Chance, dass die Treuen in unseren Pfarrgemeinden immer mehr zu solchen Intensivgruppen zusammen wachsen. Das fortschreitende Absterben der sog. „Volkskirche“ in Österreich wird zwar niemanden freuen, es bedeutet aber gewiss nicht das Ende der Kirche. Solange es christliche Gemeinschaften und christliche Freundschaftsgruppen gibt, wird es auch Sauerteig geben, der in die Gesellschaft hineinwirkt und sie zu verändern vermag.

Was wünsche ich Dir, lieber Freund Josef, zu Deinen drei Anlässen? Aus Anlass Deines 80. Geburtstags weiterhin Gesundheit, Vitalität und Schaffenskraft, aus Anlass Deines 55. Weihetages viele weitere Kapitel Deiner „Liebesgeschichte“ mit Christus, und aus Anlass Deines „goldenen“ Österreichjubiläums, dass die „Josefinisierung“ Österreichs weiter voranschreite!

10.8.2008

Heilsoffenbarung

 

Wer das helfende Wort in sich aufruft, erfährt das Wort.

Wer Halt gewährt, verstärkt sich in Halt.

Wer Trost spendet, vertieft sich in Trost.

Wer Heil wirkt, dem offenbart sich das Heil.

 

Martin Buber