Den Suchenden ernstnehmen

Wer wandert, braucht Wegweiser! Der Christ macht aus seinem Leben den Wegweiser, den die Suchenden auf den Wegen des Lebens brauchen. Wer christlich lebt, baut auch den Pfad.


Gerard Fourez schreibt in seinem Buch „Une bonne nouvelle pour le monde“: „Nach meiner Meinung wäre es ein Irrtum, die ,Zunahme des Religiösen’ als eine rein religiöse Dynamik zu interpretieren, darin ist eher eine soziale Evolution zu sehen. Was ich darin sehe, ist eine Serie Reaktionen einer Gesellschaft gegenüber, die immer mehr den Imperativen technischer Programmierungen unterliegt.“ Derselbe Verfasser macht aufmerksam, wie die Jugend 1968 aus der programmierten Industriegesellschaft ausbrechen wollte und einen Raum suchte, in dem man frei leben konnte. Der Verfasser ist schließlich der Meinung, dass das Religiöse sich vom Christlichen verlegt hat ... meistens zu den Sekten.

Sicher in diesem Sinne fragt auch Zulehner in seinem Buch „Wider die Resignation in der Kirche“: „Sind wir als Kirche solidarisch mit der Suche von immer mehr Mitmenschen nach Gott?“

Mit althergebrachten Prinzipien und großen christlichen Wahrheiten finden offenkundig viele Menschen nicht mehr den richtigen Weg des Lebens. Haben wir Christen auf Wegen des Lebens solche christlichen Wegweiser aufgestellt, dass die fragend Schauenden sich nicht orientieren können? Oder sind diese Wegweiser so lebensfremd, dass die Menschen sie lieber übersehen? Hier bekommt seine ganze Bedeutung, was wir beim Cursillo betonen, dass es auf das Zeugnis ankommt, auf die Sprache des Lebens, auf das Leben, das sichtbar anbietet, was vorhanden ist.

Es ist kein Zweifel, dass unser Glaube im Lauf der Geschichte viel zu sehr Ideologie geworden ist, viel zu sehr bis ausschließlich sich auf Dogmen konzentriert hat, viel zu sehr mit bürokratischen Einrichtungen sich durchsetzten will! Glaube aber ist begeisterte Hingabe aus befreiendem Vertrauen. Erst, wenn wir als Christen aus diesem Glauben überzeugendes Leben machen, werden wir zum Wegweiser zu Gott für die werden, die Augen haben zu sehen. Pascal sagt uns selbstbiographisch: „...nicht der Gott der Philosophen und Gelehrten ... der Gott Jesu Christi!“

Noch realistischer und tiefer betrachtet werden wir uns bald bewusst, dass wir für Suchende und Fragende zum eigentlichen Wegweiser werden, wenn wir selbst Mitsuchende und Mitfragende sind. „Se hace camino al andar...!“, hat einer der größten Dichter Spaniens, Antonio Machado, geschrieben: „Unser Vorwärtsgehen baut den Weg“. Wer christlich vorwärts geht, hinterlässt die Spur für den, der den Weg sucht.

Vorwärts gehen auf den Wegen der Zeit, der Welt, der Menschheit, wird mit sich den Mut zum Neuen, „zum Experiment“ bringen. Ein neuer Schritt ist ein Wagnis, ein neuer Schritt im Geiste ist eine Aufregung, ein neuer Weg im christlichen Glauben ist ein „Hineinstürzen“ in die unendlichen Tiefen der Hingabe. Wer aber Mut zum Experiment hat, muss auch Mut zur Kurskorrektur haben. Mag uns dann der Weg wie im Zickzack vorkommen. Für die Ehrlichkeit und vor Gott bleibt er immer noch der gerade Weg... auf dem das Herz immer die Freude erlebt, die das Wahre anzeigt, die Liebe vollendet und die Sinnfülle garantiert. Ein ganzes Programm für Cursillistas... für Christen... für alle Menschen guten Willens.

P.Josef García-Cascales
7.4.2008

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Heilsoffenbarung

 

Wer das helfende Wort in sich aufruft, erfährt das Wort.

Wer Halt gewährt, verstärkt sich in Halt.

Wer Trost spendet, vertieft sich in Trost.

Wer Heil wirkt, dem offenbart sich das Heil.

 

Martin Buber