Hunger und Durst tun Not!

Das eigentliche Evangelium ist nicht ein Buch... nicht einmal die Geschichte einer Person, sondern das Leben des Herzens Christi.


„Curris bene, sed extra viam – du läufst gut, aber außerhalb des Weges.“ Dieser Satz des hl. Augustinus ist für uns mehr als eine Einladung, uns zu fragen, ob wir laufen... oder ob wir auf dem eigentlichen Weg laufen!

Gerade in den vergangenen Wochen habe ich von verschiedenen Seiten gehört, wie die Cursillistas gelobt werden, weil sie eifrige Christen sind und sich auch in verschiedenen Gruppierungen der Kirche engagieren. Das große Wort in der Cursillobewegung ist aber „das Eigentliche“, „das Entscheidende“, „das Grundlegende“ gewesen. Wir hoffen und beten und setzen uns dafür ein, dass viele Cursillistas verstehen, was die Cursillobewegung will. Mit den Worten des hl. Paulus würden wir es ausdrücken als „glühenden – kochenden – Geist“. Unter uns sprechen wir vom Prophetischen in der Kirche, ja, man hat unter Cursillistas das Wort „Revolution der Liebe“ sehr gern und oft wiederholt. Sollen diese Worte nicht leere Hülsen bleiben, so werden wir um einen wachen Geist ringen, der uns nicht nur prinzipiell das Eigentliche im christlichen Leben finden lässt, sondern uns auch am konkreten Tag und am konkreten Ort das Eigentliche entdecken lässt.

Es ist erstaunlich, dass viele Christen das Evangelium lesen und daraus ein Gesetzbuch machen. Das Eigentliche des Evangeliums aber ist das Herz! Jesus Christus ist das Herz des Vaters, der an die Tür unseres Herzens klopft. Viele Menschen verfälschen auch die Geschichte ihres Lebens. Das eigentliche Leben des Menschen ist das Leben des Herzens. Augustinus ruft uns auf: „Kehren wir zurück zu Herzen, um es zu finden!“ Die Gründer des Cursillo haben immer betont, dass unsere Bewegung den Hunger und den Durst nach Liebe, nach der unendlichen Liebe, nach Gott erwecken will. Wer Hunger und Durst hat, hat Impuls genug, um zu suchen! Nun werden wir sagen müssen, Hunger und Durst im Menschlichen und im Christlichen tun alarmierend, dringend Not! Bringt der Wohlstand, vor allem unser moderner Wohlstand, so viel Einschläferndes für den Geist, dass viele dahinsiechen, ohne es zu merken, dass sie geistig total unterernährt sind? Ohne Sehnsucht kein menschenwürdiges Leben! Ohne stürmische Sehnsucht kein eigentlich christliches Leben!

„Das Herz des Herzens“ im Evangelium und im Christlichen ist die Barmherzigkeit. Es geht um die Liebe, die mit brennendem Interesse und mit selbstloser Bereitschaft mit allen zusammenhält, vor allem aber mit denen, die am meisten auf uns warten.

Wir dürfen die im Materiellen Notleidenden in der Nähe und in der Ferne nicht vergessen! Mehr und mehr schreien die geistig Leidenden nach „dem Herz des Herzens“. Viele Menschen vermissen zu sehr die Wärme der Gemeinschaft und der Freundschaft. Man kann ein aktiver Christ sein und diese Menschen übersehen. – Die Zahl der Menschen, die sogar und erst recht im Religiösen suchen und fragen, wird immer größer. Der große Moraltheologe Bernhard Häring sprach von „der Gnade des Zweifelns“. Zweifel und Fragen sind aber eine Gnade, wenn man Wege und Antworten findet, wenn auch mühsam und ständig auf der Wanderschaft. Sie sind keine Gnade, wenn man immer mehr verunsichert wird und in die Dunkelheit gerät. Hier werden Christen angesprochen, die selbst aus der Sehnsucht leben und ringend wandern. Sie sind die wahren Propheten, die mit dem einzigen Propheten Christus der Welt entscheidend helfen.

P. Josef García-Cascales
6.3.2008

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Heilsoffenbarung

 

Wer das helfende Wort in sich aufruft, erfährt das Wort.

Wer Halt gewährt, verstärkt sich in Halt.

Wer Trost spendet, vertieft sich in Trost.

Wer Heil wirkt, dem offenbart sich das Heil.

 

Martin Buber