Für eine Kirche der Zukunft


Haben wir beim Religionsunterricht als Kinder und Jugendliche so viel von den großen Propheten im Alten Testament gehört, dass wir mit uns das tiefe Empfinden tragen, prophetische Aufgabe ist Sache von wenigen, außergewöhnlich charismatischen Menschen? Und eine zweite Frage: wenn wir als Christen erinnert werden, dass wir durch die Taufe Priester, Könige und Propheten mit Christus geworden sind, sind diese drei Worte nicht direkt Fremdworte für uns? Wer von uns erlebt sich wirklich als König? Welcher Laie fühlt sich im Ernst als Priester? Und in der Reihenfolge der Fragen. ..was sollen wir als kleine Menschen mit dem Wort „Prophet“ anfangen?

König, Priester und Prophet im Neuen Testament bedeutet schließlich nichts anderes, als dass alle Christen zusammen, in der Einheit mit Christus Initiative ergreifen, und den christlichen Frieden durchzusetzen, das heißt, dort eine neue Erde zu bauen, wo wir sind, in der die Menschen sich frei fühlen und in Freude miteinander leben.

Wie gehen wir ans Werk? Da kann uns die Parole der KAJ (Ka­tholischen Arbeiter- & Arbeiterinnen Jugend) helfen: Sehen, Urteilen, Handeln! Diese Parole ist so genial, dass das II. Vatikanische Konzil sie in ihre Dokumente aufgenommen hat: „..Möge der Laie... lernen, alles im Licht des Glaubens zu sehen, zu beurteilen, und danach zu handeln“ (AA 29).

Sehen: Christus ruft uns auf im Evangelium: „Habt ihr keine Augen, um zu sehen?“ (Mk 8, 18). Wer geistig blind ist, kann kein Prophet sein. Wer die Wirklichkeit ignoriert, ist unfähig des Prophetischen. Wer aus Angst die Wirklichkeit ignoriert, ist unmündig! Wer wissentlich die Augen der Wirklichkeit gegenüber zumacht, versündigt sich. Wer die Wirklichkeit sieht, wie sie ist, schön oder hässlich angenehm oder unangenehm, passend oder unpassend... der ist wenigstens bei der Wahrheit, und die Wahrheit macht frei!

Urteilen: Selbst urteilen, auch wenn wir dafür die Hilfe der anderen brauchen! Über das Gesehene urteilen bedeutet, die Bedeutung des Geschehens für Gegenwart und Zukunft zu erkennen! Hier liegt der Ausgangspunkt für di( prophetische Sendung! Im übrigen, so ist die Cursillo-Bewegung entstanden, weil eine Gruppe Menschen das Leben der Christen beobachtete und nach der Echtheit prüfte, so dass sie neue Wege suchen und beschreiten konnten. Um zu einem treffenden Urteil zu gelangen, ist Reife im Geiste notwendig, und dahin gelangt man durch die Vertiefung, durch die Erfahrung, durch das Gebet.

Handeln: Da ist das Schwierigste! Aber das Wichtigste, denn erst wenn man die apostolische Sendung durchführt, bringt sie Früchte! Das Handeln wird außerdem der Prüfstein sein, ob man richtig gesehen und beurteilt hat... und die richtigen Lösungen und Hilfen gefunden hat.

Für die Gegenwart und für die Zukunft: Dem Propheten Jesaja wurde gesagt: „Verkünde schreiend“ (Jes 58, 1). Brauchen wir jetzt nicht Propheten, die schreien, wenn sie sehen, wie es in unseren Tagen geht. ..? - Und welche Zukunft bereiten wir vor?

Karl Rahner, sicher ein Prophet, hat sich sehr Sorgen um die Zukunft der Kirche gemacht, und er hat diese Kirche der Zukunft gesehen als
– offen,
– ökumenisch,
– basisinitiiert,
– demokratisiert,
– gesellschaftskritisch...
(„Strukturwandel“, 99-141).

Josef García-Cascales
4.2.2008

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Nicht aufgeben!

Ein Stück des Weges liegt hinter dir,
ein anderes Stück hast du noch vor dir.
Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken,
aber nicht, um aufzugeben.

Augustinus