Don Sebastián Gayá Riera, der Priesterinitiator der Cursillobewegung, ist am 23. Dezember 2007 gestorben. Darüber berichten wir auf unserer Homepage unter "Evangelium heute" ausführlich in der „Chronik Cursillo weltweit“ . – Bei einem Mitarbeitertreffen in Altaussee hielt uns Don Sebastián folgende wunderbare Betrachtung, die wir ruhig als sein geistliches Vermächtnis betrachten können:
Ich bitte euch um Entschuldigung, liebe Freunde aus Österreich, Italien, Jugoslawien und Deutschland, meine Teilnahme an diesem euren Treffen zugesagt zu haben, obwohl ich kein einziges Wort in eurer Sprache kann. Es ist, als ob ich in einem Meer der Demut untertauchen müsste, wenn ich meine Grenzen erlebe. Ich bewundere P. Josef aus vielen Gründen: wegen seinem Können, wegen seiner Hingabe, wegen seinem Geschick, in diesen Ländern eine Bewegung der Kirche eingeführt zu haben, die ohne Zweifel in unseren Tagen ihre Gültigkeit hat, denn wie Paul VI. bei unserer I. Weltultreya 1966 nach Abschluss des II. Vatikanischen Konzils sagte, „sie hat sich durch die Erfahrung bewährt und durch ihre Früchte beglaubigt“ , so dass sie „mit Bürgerrecht die Straßen der Welt durchzieht“.
Aber ich bewundere nicht nur P. Josef, sondern ich beneide ihn auch wegen seiner Sprachengaben, die ihn zum wirksamen Werkzeug in den Händen des Herrn machen. Ich kann nur mit der Hilfe seiner gütigen Übersetzung das einfache, ungeschminkte, spontane, herzliche Zeugnis eines Menschen anbieten, der durch die Gnade des Heiligen Geistes Zeuge der unscheinbaren Geburt der Cursillos in meiner Heimat Mallorca war. Ich stand an ihrer Wiege.
Von den vielen Erinnerungen an das, was vor dreißig Jahren geschah, möchte ich euch jetzt etwas mitteilen, was ich für leidenschaftlich, optimistisch und verpflichtend halte. Ich denke an das dreifache Wort, das wir den Cursillistas am Anfang des Cursillo als Motto geben. Am Anfang des Cursillo bei der Begrüßung rufen wir die Teilnehmer auf, aktiv mitzumachen, und ganz konkret bitten wir sie, „mit Liebe, Begeisterung und Hingabe“ mitzumachen. Dieses dreifache Wort, das auch durch die Welt zieht, als wäre es ein Refrain bei den Dingen und den Menschen der Cursillobewegung, entstand durch einen Zufall -so würde ich sagen, wenn ich nicht bis in das Knochenmark überzeugt wäre, dass kein Haar vom Kopf eines Menschen fällt ohne die Erlaubnis des Vaters, der im Himmel ist.
Dieses dreifache Wort entstand folgendermaßen:
beim Mitarbeiterseminar in Palma de Mallorca, durch das der Cursillo entstand, bereitete uns am meisten Kopfzerbrechen das Gespräch „Ideal“. Wir stellten verschiedene Skizzen zusammen, aber keine begeisterte uns. An einem Abend legte uns ein junger Intellektueller, ein Geschichtsprofessor, den der Vater inzwischen zu sich gerufen hat, eine neue Skizze vor. Anschließend machten wir die Kritik darüber.
Ein Mitarbeiter hielt die Skizze für übertrieben kalt und intellektuell. Er war der Meinung, damit würde man keine Unruhe erwecken; so etwas könnte niemand bewegen. Es fehlte der Schwung, der Geist, die Begeisterung. - Ein anderer sagte, und möglicherweise war er im Irrtum, dass er die Rolle dieses Gesprächs Ideal in der Architektur des Cursillo nicht berücksichtige, da so eine Skizze zu nichts führte, sie brächte keinen Entschluss hervor, sie führte zu keiner Hingabe.
Die Diskussion wurde immer noch belastender und es wurde sehr spät. Wir waren alle schließlich sehr müde, denn die Treffen, die wir damals jeden Freitag nach dem Abendessen hielten, dauerten, bis unsere Hausuhr drei Uhr in der Früh schlug. Die Müdigkeit ist kein guter Berater in den Stunden der Überlegung, denn sie führt zu Gereiztheit. Jemand machte sogar aufmerksam, dass es dem Herrn schwer sein müsste, uns seine Gnade in reichem Maß zu geben, wenn uns der Geist der Liebe so weit abgegangen war.
Ich war jedenfalls der Verantwortliche für das Mitarbeiterseminar, und als solcher hatte ich die Aufgabe, eine Zusammenfassung all dessen zu machen, was wir während des ganzen Abends gesagt hatten, um somit die endgültigen Skizzen vorzubereiten. Nun könnt ihr euch vorstellen wie leicht es war, die Worte zusammenzustellen die die anderen gesagt hatten, um schließlich aufmerksam zu machen, dass wir nur mit Liebe, Begeisterung und Hingabe das Reich Gottes aufbauen könnten. So einfach war es. Wer hätte damals gedacht, dass wir unüberlegt, ohne es direkt zu suchen, ohne uns bewusst zu sein, das gefunden hatten, was später die Runde um die Welt machen würde, und das alles bei einer Diskussion - wohl brüderlich, aber doch Diskussion -.
Diese Geschichte bietet uns einen guten Rahmen für unsere Betrachtung heute. Ich halte die Cursillobewegung für eine Wirklichkeit, für eine Verwirklichung der Kirche, die auch in ihrem Leben diese drei Elemente aufweist. Fehlt eines dieser Elemente, gerät die Cursillobewegung ins Schwanken. Wenn aber diese drei Elemente noch mehr an Gewicht gewinnen, wenn sie noch mehr angeeignet werden, wenn die Mitarbeiter sie in ihrem Leben überzeugt, mitvibrierend, erlebend einbauen, dann kann man im Namen der Cursillobewegung der Welt sagen, was sie schließlich seit dreißig Jahren schreit: „Noch Größeres werdet ihr sehen!“
Fangen wir bei der Begeisterung an.
Ich halte die Begeisterung für den „Glauben an alle Gaben Gottes“. Menschlich stammt die Begeisterung vom Optimismus; christlich ist sie das Ergebnis der Wirklichkeit, die aus Glaube und Hoffnung besteht. Die Begeisterung ist eine Gabe, eine Gnade, ein Charisma, die uns im Hinblick auf die anderen gegeben wird, nachdem sie unseren eigenen Geist genährt hat. Die Begeisterung wird aus der Freude des Herzens geboren, sie verleiht allen Dingen die Farben der Freude. Alle Schwierigkeiten werden klein vor der Begeisterung. Alle Möglichkeiten werden im Licht der Begeisterung noch größer. Wer begeistert ist, bekommt Flügel; wenn die Begeisterung fehlt, wird alles zur Last, zur Belastung.
Die Begeisterung ist wie eine Morgenröte, die einlädt, aufzustehen, zu arbeiten; der Mangel an Begeisterung ist wie eine Abenddämmerung, die die Nacht ankündigt und erwartet mit all dem, was Ermüdung, Erschöpfung, Kraftlosigkeit auf der Wanderung bedeutet.
Ich würde sagen, das Herz wird groß, wenn es sich von der Begeisterung durchdringen lässt. Ich würde sagen, der Mensch mit Begeisterung erweckt und konzentriert und setzt alle seine Fähigkeiten ein: „Phantasie, erwecke Initiativen! Verstand, schaffe neue Ideen! Wille, vergib dich in Werken! Und du, Herz, verleih überall Feuer Musik und Leidenschaft!“ Wenn in der Tiefe der Seele die Begeisterung singt, merkt der Mensch dass das ganze Leben singt. -Seht ihr? Die Begeisterung ist die Gabe, an alle Gaben zu glauben, und die Fähigkeit, die Macht unserer Fähigkeiten in Aktion zu setzen, denn der ganze Mensch - “Leib und Seele, Herz und Bewusst sein, Verstand und Wille“ (GS, 3) - fühlt sich ganz erfasst, wenn die Begeisterung ihn führt. Die Begeisterung setzt alles in Bewegung. Aber was kann der tun, um die Begeisterung zu bekommen bei dem die Lethargie, die Kraftlosigkeit, die Traurigkeit, der Pessimismus, die Angst, die Enttäuschung, der Konformismus - jene sieben vergifteten Hauptquellen der Resignation - die Begeisterung fernhalten? Muss der Mensch vor solchen Feinden kapitulieren? Nein! Wenn Glaube und Hoffnung belebt werden, entsteht die Begeisterung; das Wachsen des Glaubens und der Hoffnung sind die Nahrung der Begeisterung; die kleine Saat der Begeisterung ist wie das Senfkorn des Evangeliums, das immer weiter wächst bis zu einem richtigen Baum, in dem die Vögel des Himmels ihre Nester bauen können und von dort aus den Himmel mit ihrem Gesang erfreuen. Ihr Wachstum ist aber vom Glauben und von der Liebe bedingt.
Deshalb lade ich ein, den Glauben wachsen zu lassen.. unsere Hoffnung wachsen zu lassen. Christus hat die Welt, den Tod, die Traurigkeit, die Einsamkeit, die Angst überwunden. Christus ist auferstanden, Christus lebt für uns. Christus ist bei uns bis zum Ende der Zeiten. Das Leben wird für mich zum Gesang, weil Christus mit mir ist. Die Gegenwart Christi ist eine Entladung der Begeisterung. Wie treffend sagt es uns eine liturgische Hymne des Morgengebets:
„Christus, du Freude der Welt, Abglanz der Herrlichkeit des Vaters. Gesegnet sei das Morgenlicht, das deinen Glanz der ganzen Welt verkündet! Die Morgenröte feiert deine Auferstehung und freut sich mit der Helligkeit des Osterfestes. Die Erde macht sich auf wie ein junger Schüler, um dich zu suchen, mit dem Bewusstsein aber, dass das Grab leer ist.“
Mir gefällt eure dritte Strophe unseres Liedes „De colores“ sehr gut:
„Farbenprächtig die Welt zeigt sich heute, denn Christus erstand.“