Phantasie tut Not ; Selbst Initiative ergreifen ; Die Verantwortung nicht einem anderen abwerfen
Phantasie tut Not
Strukturen, Gewohntes, Routine machen leicht blind. Wer blind durch das Leben geht, ist vielen Gefahren ausgesetzt. Im Altgewohnten bleiben, ist für das Leben der Kirche -wie für das Leben der Völker- eine akute Gefahr: man bewegt sich oft im Kreis, es geht nicht weiter.
Es ist schon viel, wenn man schließlich merkt, dass man sich im Kreis bewegt. Aber noch nicht alles! Entscheidend bleibt, einen Weg zu finden, um aus dem Kreis herauszukommen. Und dafür braucht man „Phantasie“, die Fähigkeit, Neues zu finden, das zielführend ist.
So ist der Cursillo entstanden, wie so viele Bewegungen in der Kirche: weil jemand aus dem Weg im Kreis einen Ausweg suchte.
Gerade deshalb liegt im Streben der Cursillobewegung, den Christen Impulse zu geben, um zu beobachten und zu fragen, ob manches in der Kirche und in der Welt (konkret aber in der eigenen Pfarrei, in der eigenen Gemeinde und der eigenen Umgebung) sich nicht in einem sterilen und geisttötenden Kreis bewegt! Und -bei Gott!- diese Gefahr liegt nicht fern. Der Mangel an Begeisterung und Interesse, der Rückgang in so vielen Bereichen des Religiösen sind klare Alarmzeichen!
Einige haben eine glückliche, lebendige „Phantasie“, um zu sehen und zu entdecken. Sie sollten uns rasch helfen. Andere -sicher die meisten von uns- brauchen mehr Zeit, Betrachtung und Geduld, bis die Inspiration kommt! Sie dürfen die Anstrengung nicht scheuen! „Phantasie“ hat jedenfalls jeder. Und Phantasie tut oft Not! Die alten Strukturen, die hergebrachten Arbeitsweisen sind lange noch nicht die endgültig besten.
Selbst Initiative ergreifen
Die heilige Teresa hat in der Seelenburg geschrieben „Dazu ist das innere Gebet da, und dazu die mystische Vermählung: dass aus ihr Werke geboren werden, Werke“ (7,IV).
Sich in schönen Gedanken oder religiösen Gefühlen verlieren ist alles andere als christliches Leben, geschweige denn christliche Mystik. Christliche „Phantasie“ drängt zu Initiative. Gescheit reden und kritisieren hilft manchmal etwas, meistens wenig oder nichts, manchmal ist es direkt zerstörend. Ans Werk gehen! Und selbst anfangen! Warum immer den anderen die Initiative überlassen?
Die Verantwortung nicht einem anderen abwerfen
Wenige unternehmen und riskieren etwas. Aber viele kritisieren die, die etwas riskieren und wissen natürlich immer, wie man es besser hätte tun sollen. Der reife Mensch aber steht zu seinen Ideen und Taten und übernimmt selbst die Verantwortung dafür. Und wenn es heikel wird, dann steht er erst recht dazu und dafür. Solange der Wind günstig weht, begeistert mitsegeln, ist leicht. Wenn Gegenwind bläst und Sturm kommt, das Schiff verlassen und versinken lassen, ist feig. Wie oft gehen Werke und Bewegungen des Apostolates konkret an Ort und Zeit zugrunde, weil in der Stunde der echten Verantwortung der reife Christ gefehlt hat. Der ganze Cursillo steht im Dienste dessen, solche reife Christen, Säulen in der Kirche zu erwecken.
Der heilige Ignatius hat einmal gesagt: "Wer einen Auftrag bekommt, soll sehen, dass er ihn auch durchsetzt."
Josef García-Cascales
3.12.2007