„Fördert die menschliche Person!“
Vom heiligen Franz von Sales hat man behauptet, er sei der größte Humanist unter den Heiligen und der größte Heilige unter den Humanisten. Von ihm stammt der Satz: ,Je vergöttlichter man ist, desto menschlicher wird man!’ - Nachdem wir feststellen, dass „die Kirche“ in der Geschichte grauenhaft die Menschen den Dogmen opferte (Verbrennungen von Häretikern), und nachdem wir sogar in unseren Tagen manchem „übereifrigen Apostel“ begegnen, der Glaube und Evangelium abstrahiert und die Menschen dieser Abstraktion immer noch opfert, halten wir den Satz für angebracht: „Es ist dringend, das Christentum zu humanisieren, und noch dringender, das Humanistische zu verchristlichen.“
Papst Paul VI. sprach zu uns Cursillistas bald nach dem II. Vatikanischen Konzil. Und es ist kein Zweifel, dass das II. Vatikanische Konzil den Menschen und die Welt („das Aggiornamento“) sehr ernstgenommen hat. Der Appell des Papstes, wir sollen die Förderung der menschlichen Person sehr ernstnehmen, schließt ein sehr tiefes, sehr evangelisches und weltweites Programm ein!
Das II. Vatikanische Konzil hat uns dieses grandiose Programm im Dienste der menschlichen Person mit sehr beeindruckenden Worten dargestellt:
- Es geht um die Rettung der menschlichen Person
- Es geht um den rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft.
- Der Mensch also, der eine und ganze Mensch, mit Leib und Seele, Herz und Gewissen, Vernunft und Willen steht im Mittelpunkt unserer Ausführungen.
- Dabei bestimmt die Kirche nur dies eine; das Werk Christi selbst weiterzuführen, der in die Welt kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben; zu retten, nicht zu richten; zu dienen, nicht sich bedienen zu lassen (GS 3).
So viele Humanisten in der Geschichte waren dem Christentum gegenüber feindlich eingestellt! Das Christentum darf nie dem Humanismus (dem Dienst an den Menschen und am Menschlichen) feindlich gegenüberstehen. Einer der edelsten, genialsten und feinfühligsten Humanisten des 16. Jahrhunderts, Johannes Ludovicus Vives (übrigens treuer Freund von Erasmus von Rotterdam und von Thomas Morus) wusste seinen Humanismus im Christlichen zu verwurzeln und gab seinem Humanismus die letzte Vollendung im Glauben, in der Auferstehung Christi, im vollendeten Leben in Gott.
Aus dem werden wir folgern: Wenn man mit dem Religiösen und Apostolischen dem Menschen schadet, wird man dieses Religiöse und Apostolische nach der Echtheit hinterfragen müssen. - Gott und der Mensch sind keine Konkurrenten: entweder beide oder nichts! Die Erlösung Christi ist das Glück der Menschen! „Das Heil der Menschen ist die Ehre Gottes!“ (E. Schillebeeckx).Und für die Welt und für den Menschen ist viel zu tun. Wer von der Liebe getrieben wird, wird großherzig und wagemutig sich beeilen.... Mit dem Zeugnis und mit der Tat!
P. Josef García-Cascales CMF
7.11.2007